veröffentlicht am 10.03.2021

Zertifizierte Zerstörung: Wie Gütezeichen zur weltweiten Waldzerstörung beitragen

Für Rohstoffe werden Wälder und Ökosysteme zerstört. Diese Rohstoffe gelangen auch auf den EU-Markt. Mit Zertifizierungen wollen Konzerne uns vermitteln, dass man ihre Produkte dennoch kaufen kann. Doch ein neuer Greenpeace-Report zeigt: Zertifizierungen halten nicht was sie versprechen und tragen sogar zur Waldzerstörung bei

Vom Amazonas über das Kongobecken bis nach Indonesien - auf großen Teilen unserer Erde werden Wälder gerodet, abgeholzt oder abgefackelt. Und das in rasender Geschwindigkeit: Alle zwei Sekunden geht ein Fußballfeld Wald verloren. Wieso werden die Wälder, die für uns lebenswichtige Funktionen haben und vielen Menschen, Pflanzenarten und Tieren ein Zuhause bieten, abgeholzt? Für Rohstoffe!

Ungebremst werden landwirtschaftliche Rohstoffe geplündert, ohne Rücksicht auf Wälder und Ökosysteme, die dieser Plünderung zum Opfer fallen. Die Rohstoffe, die derzeit das größte Risiko für Wälder und Ökosysteme darstellen sind Agrotreibstoffe, Rindfleisch, Kakao und Kaffee, Palmöl, Soja für Tierfutter und Holz (Papier). Viele dieser Rohstoffe bringen die Konzerne dann nach Europa. Unsere Geschäfte wie Supermärkte, Drogerien und Möbelhäuser sind daher voll mit Produkten die mit Waldzerstörung in Verbindung stehen.

Dass Produkte, die Palmöl, Soja für Futtermittel, Kakao und Co. enthalten, trotzdem mit gutem Gewissen gekauft werden können, sollen uns diverse Gütezeichen wie FSC (Forest Stewardship Council), RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil), der RTRS (Round Table on Responsible Soy) und Rainforest Alliance/UTZ vermitteln. Diese Zertifizierungen sollen die Konsumentinnen und Konsumenten glauben lassen, dass das Produkt, auf dem sie sind, nachhaltig, nach strengen, umweltschonenden Kriterien produziert wurde.

Der neue Greenpeace Report “Destruction: Certified - Zertifizierte Zerstörung” zeigt nun: Diese Nachhaltigkeit ist nur vorgegaukelt. In Wirklichkeit tragen multinationale, global agierende Gütezeichen wie RSPO und FSC maßgeblich zur weltweiten Waldzerstörung und zu Menschenrechtsverletzungen bei! Mit ihren schwachen Standards, unzureichenden Kontrollen, Intransparenz und wirtschaftlichen Eigeninteressen können Zertifikate keinerlei Waldschutz garantieren. So haben sich zum Beispiel Mitglieder des RSPO dazu verpflichtet, keine Rodung von Primärwäldern und ökologisch wertvollen Waldflächen für Plantagen durchzuführen.

Trotzdem hat etwa das seit 2013 RSPO zertifizierte Unternehmen Bumitami zwischen 2005 und 2018 rund 11.100 Hektar Wald gerodet - davon fast 2.300 Hektar ab 2014 - offenbar ohne einer Bewertung ob dies schützenswerte Gebiete mit einer sehr hohen biologische Vielfalt sind.

Auch der FSC schreibt, dass er sich dafür einsetzt, dass unsere Wälder auch künftigen Generationen erhalten bleiben. Trotzdem sind FSC zertifizierte Betriebe in Regenwaldrodungen involviert: zwischen 2013 und 2017 hat eine FSC-zertifizierte Firma mehr als 30.000 Hektar Regenwald in Indonesien gerodet - eine Fläche größer als Graz und Innsbruck zusammen.

Gleichzeitig wird durch die vorgegaukelte Nachhaltigkeit auch noch die Nachfrage nach wald- und naturgefährdenden Rohstoffen angekurbelt, da ja der Eindruck erweckt wird, dass zertifizierte Produkte „grün“, „nachhaltig“ und “fair” seien, ganz gleich, wie viel davon produziert und konsumiert wird. Verbraucherinnen und Verbraucher werden so dreist in die Irre geführt und geblendet.

Wie funktionieren Zertifizierungssysteme?

Zertifizierungssysteme sind zumeist in einer Vereinsstruktur aufgebaut, oft werden diese von Unternehmen selbst oder auch gemeinsam mit NGOs gegründet. Die Erstellung des Standards ist den Gründern, dem Vorstand oder der Generalversammlung überlassen und damit komplett willkürlich. Will ein Unternehmen Teile seiner Produkte zertifizieren, muss es meistens bei dem jeweiligen Verein Mitglied werden. Das ist mit einer Mitgliedsgebühr, meist gestaffelt nach Konzernumsatz, verbunden. Um die Rohstoffe zertifizieren zu lassen, muss der jeweilige Betrieb eine Gebühr oder Lizenz zahlen, dies ist beispielsweise beim FSC die Haupteinnahmequelle: Die Annual Administration Fee.

Kontrolliert werden die Standards von Kontrollagenturen, die mit den Vereinen dazu eine Kooperation abschließen. Bezahlt werden diese Kontrollagenturen jedoch direkt von dem zu zertifizierenden Betrieb oder Unternehmen. Besonders schockierend ist auch die Inkonsequenz in der Zertifikatsvergabe: Auch Unternehmen, die in Umweltzerstörung involviert sind, können zertifizierte Rohstoffe produzieren und handeln. Auch werden beispielsweise Unternehmen RSPO und FSC zertifiziert, die von Subfirmen beliefert werden, die nachgewiesenermaßen Wälder zerstören.

Zertifizierungen in Österreich

Auch in Österreich sind Zertifizierungen für Produkte bei Unternehmen hoch im Kurs. Laut WKÖ kommt fast das gesamte importierte Palmöl aus zertifizierten Quellen, wo RSPO der meist verbreitete Standard ist. Sie geben Produkten einen vermeintlich nachhaltigen Anstrich, der bei Unternehmen stark gefragt ist - da immer mehr Menschen nachhaltig einkaufen möchten. So verwenden beispielsweise die österreichischen Unternehmen Manner, Tante Fanny und Ölz RSPO-zertifiziertes Palmöl. Verpackungsmaterialien in Österreich tragen vor allem das FSC Mix Logo, Schul-und Büromaterial ist meist FSC (Mix) zertifiziert. Hygienepapier ist fast zu 100 Prozent mit FSC Mix, PEFC oder FSC Recycled zertifiziert. Die Zertifizierungen wie RSPO, FSC und Co. suggerieren einen verantwortungsvollen Umgang mit wertvollen Ressourcen und werben damit bei KundInnen mit Umweltschutz. Doch es zeigt sich, dass keines der global gehandhabten Zeichen dafür sorgen kann, dass Wälder und Ökosystem geschützt werden.

Unsere Forderung

Wir fordern die österreichische Bundesregierung auf, sich für ein starkes globales Waldschutzgesetz einzusetzen, damit Produkte aus Waldzerstörung nicht länge auf dem EU-Markt landen. Politikerinnen und Politiker dürfen sich nicht länger aus der Verantwortung ziehen und auf private Systeme setzen, die mit wirtschaftlichen Eigeninteressen, schwachen Standards und unzureichenden Kontrollen keinen Waldschutz garantieren können. Es darf nicht mehr länger die Aufgabe der Konsumentinnen und Konsumenten sein zu entscheiden, ob Wälder gerodet und Menschenrechte verletzt werden oder nicht.

Hier kann der gesamte Report als PDF heruntergeladen werden

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