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veröffentlicht am 24.09.2020

Der Heißhunger der EU befeuert die globale Waldzerstörung

Die EU trägt durch den Import von Produkten eine große Mitschuld an der Regenwaldzerstörung.

Die Wälder unserer Erde bieten einen einzigartigen Lebensraum und sind Heimat für 80% unserer Tier- und Pflanzenarten an Land. Neben ihrem bedeutenden Artenreichtum sind insbesondere Regenwälder ein unersetzbarer Bestandteil des Erdklimas: Sie beeinflussen die globalen Winde und speichern zudem große Mengen an CO2 und wirken so der Erderhitzung entgegen.

Dennoch werden wegen des menschlichen Heißhungers nach Rohstoffen jährlich Millionen Hektar Regenwald vernichtet. Auch die Europäische Union macht sich hierbei schuldig, denn sie importiert 36 Prozent aller global gehandelten landwirtschaftlichen und tierischen Güter, die aus Waldzerstörung hervorgehen. Greenpeace fordert von der EU ein starkes Waldgesetz, das unsere Wälder weltweit schützt und dafür sorgt, dass keine Produkte aus Waldzerstörung auf den EU-Markt gelangen.

Kaffee

Bereits jetzt werden jährlich unglaubliche Hunderttausend Hektar Flächen in Kaffeeplantagen umgewandelt und die Nachfrage steigt drastisch an! Wenn der Trend so weitergeht, muss die Produktion bis 2050 verdreifacht werden. Der breite Einsatz von Pestiziden in der Kaffeeindustrie ist zudem ein großes Problem. Gifte, die in Europa schon lange verboten sind, werden in Brasilien weiterhin verwendet und schaden so enorm der Umwelt und der Gesundheit. Die EU ist mit 45 Prozent der weltweiten Kaffeeimporte der größte Importeur von Kaffee.

Kakao

Der weltweite Kakaobedarf wird größtenteils durch Ghana und die Elfenbeinküste gedeckt. Dabei kommen erschreckende Zahlen zustande: Mittlerweile sind zehn Prozent aller Bäume in Ghana abgeholzt, die Elfenbeinküste hat bereits den Großteil seiner Wälder verloren. 40 Prozent des Kakaos der Elfenbeinküste kommt zudem aus Schutzgebieten, die eigentlich einen sicheren Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten bieten sollten. Darunter leiden bereits bedrohte Tiere wie Elefanten, Zwergflusspferde, Schuppentiere, Krokodile, Leoparden, Affen und Menschenaffen. Ihr Lebensraum wird weiter zerstört. Rund 50 Prozent der Exporte von Kakaobohnen landen in der EU.

Naturkautschuk

Seit den letzten 20 Jahren hat sich die Gesamtfläche, auf der Naturkautschuk angebaut wird, um 58 Prozent vergrößert. Dabei geht ein Großteil des Kautschuks, etwa drei Viertel der Gesamtproduktion, in die Herstellung von Reifen für Autos, Lastwagen und Flugzeuge. Doch das hat seinen Preis: Besonders in der Mekong-Region, aber auch im afrikanischen Kongobecken werden große Waldbestände für den Anbau von Kautschuk zerstört. Ebensolche Wälder, in denen Schimpansen, Elefanten und die bereits gefährdeten Gorillas leben. Die EU bezieht 25 Prozent der weltweiten Exporte von Naturkautschuk.

Palmöl

Palmöl ist heutzutage weltweit in jedem zweiten Supermarktprodukt enthalten und das insgesamt meistverwendete Pflanzenöl. Fast die gesamte Palmölproduktion kommt aus Indonesien oder Malaysia, wo jährlich riesige Regenwaldflächen für den Anbau von Palmölplantagen gerodet werden. In den letzten zehn Jahren wurde in Indonesien im Durchschnitt jede Stunde eine Fläche von 123 Fußballfeldern zerstört, eine schier unvorstellbare Größe! Von der Palmölproduktion sind 193 Tierarten direkt bedroht, darunter besonders akut das Sumatra-Nashorn, der Sumatra-Tiger und alle drei Orang-Utan-Arten. Die EU gehört zu den größten Importeuren von Palmöl. Nach Österreich gelangen jährlich rund 160.000 Tonnen des Öls.

Rindfleisch

Keine andere Industrie zerstört so viele Waldflächen in Lateinamerika wie die Viehzucht. Diese dient hauptsächlich der Rindfleischproduktion. Zwischen 2000 und 2013 war die Anlegung von Weideflächen für 71 Prozent der Rodungen im Amazonas verantwortlich. In den meisten Fällen wurde mit Bränden gerodet. Besonders schwierig ist die Situation in Brasilien: 2019 wurden 99 Prozent der Abholzungen illegal durchgeführt. Und das sogar in geschützten Zonen! So hat etwa der Serra-Ricardo-Franco-State Park bereits 24 Prozent seiner Fläche an illegale Abholzung und Weideland verloren. Recherchen von Greenpeace deckten auf, dass einige dort tätige Rinderfarmen Fleisch über Zwischenhändler an große Konzerne verkaufen, die wiederum beträchtliche Mengen nach Europa exportieren.

Soja

Auch für den Anbau von Soja, das hauptsächlich als Futtermittel in der Viehzucht genutzt wird, werden jedes Jahr natürliche Landschaften zerstört. In den kommenden zehn Jahren soll in Brasilien eine weitere Fläche, die insgesamt größer ist als Österreich, alleine für Sojaplantagen erschlossen werden. Von solchen Plänen ist besonders der brasilianische Cerrado betroffen. Der Cerrado ist die artenreichste Savanne der Erde und bietet rund 5 Prozent der global vorkommenden Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause. Darunter sind viele endemische Arten, d. h. sie sind weltweit nur dort zu finden. Diese wertvolle Natur wird durch die massive Produktion von Soja vernichtet. Europa ist der zweitgrößte Importeur von Sojaprodukten, die oft gentechnisch verändert sind.

Tropenholz

Die EU importiert die meisten Tropenhölzer aus westafrikanischen Ländern und Malaysia, doch auch aus dem brasilianischen Regenwald gelangt illegal geschlagenes Holz zu uns. Eigentlich sollten diese Importe 2013 durch die EU-Holzverordnung verboten werden, doch wegen fehlenden Kontrollen und Korruption werden diese gesetzlichen Vorgaben oft einfach umgangen.

Die EU-Kommission muss endlich Verantwortung übernehmen und mit ihrem angekündigten Gesetz zeigen, dass sie sich entschieden gegen die globale Waldzerstörung stellt statt diese weiterhin zu unterstützen! Greenpeace fordert ein starkes Waldgesetz, das zukünftig Produkte aus Waldzerstörung auf dem EU-Markt verbietet. Für Produkte, die nach Europa kommen, dürfen keine Wälder mehr abgeholzt und wertvolle Ökosysteme zerstört werden!

Unterstützen Sie unsere Forderung, indem Sie Ihre Meinung jetzt an die EU schicken: zur Petition